Eine Kollegin von mir ist letztens von einem Fortbildungsseminar in Deutschland zurück nach Südkorea geflogen und hat dort eine sehr witzige Anekdote erlebt.
Der Koreaner an sich ist, das soll jetzt nicht böse klingen, leicht xenophob. Diese Einstellung ist sicherlich verständlich, wenn man bedenkt, dass Korea nur zwei Nachbarn hat (China und Japan) und diese Nachbarn haben über die Jahrhunderte Korea mehrere Mal angegriffen, erobert und verwüstet. Kein Wunder, dass auch heute im Denken des Koreaners das Ausland eher als Hort allem Übels angesehen wird. Kein Scherz, aber wenn man sich Artikel über die ausländischen Englischlehrer in den Zeitungen anschaut, dann bekommt man den Eindruck, das alles Schlechte und Verwerfliche, wie Drogen, Sex vor der Ehe, Kriminalität, Homosexualität, Rock'n'Roll, Bikinis und anderes Teufelszeug von den Ausländern erfunden und nach Korea eingeschleppt wurde.
Die letzte teuflische Erfindung der Ausländer ist die Schweinegrippe. Korea ist hingegen das Land der Reinen und Puren, die nicht infiziert sind. Darum wurden zum Beispiel Ende des letzten Semesters alle Ausländer in den Studentenwohnheimen von den Koreanern getrennt - es könnte ja sein, dass einer dieser schmutzigen Ausländer einen Koreaner infiziert. Meine Freundin hatte auch eine koreanische Mitbewohnerin in ihrem Zimmer - und schwupps wurden die getrennt, denn meine Freundin ist ja keine Koreanerin und somit ein potentieller Krankheitsherd. Schließlich hat sie die letzten 11 Monate nur in Korea verbracht, aber man weiß ja nie mit diesen Ausländern... ;-)
Die Anweisung, Koreaner und Ausländer zu trennen, kam vom Korean Ministry of Science & Technology, das übrigens auch vor dem Gebrauch von Ventilatoren in geschlossenen Räumen warnt, da dies tödliche Folgen haben kann.
Zurück zum Ausgangspunkt der Geschichte: Meine Kollegin fliegt als von Deutschland zurück nach Korea mit einem Zwischenstopp in Hongkong. Aber schon beim Abflug in Deutschland gibt es Terz. Eine Reihe xenophober koreanischer Omis sitzt mit Mundschutz auf den Plätzen und weigert sich strikt neben Ausländern zu sitzen. Großer Terz im Flieger, die Stewardessen flitzen umher, entschuldigen sich und vertauschen fleißig und munter Sitze, bis es keimfreie und reine und pure Koreanerbänke gibt. Da saßen die xenophober Omis nun und grinsten wohl fröhlich hinter ihrem Mundschutz, was genau bis Hongkong anhielt.
Der xenophobe Koreaner an sich kann nun aber auch kein Englisch, schließlich ist das sicher auch so eine teuflische Sache, die die Ausländer machen. (Warum sprechen die eigentlich kein Koreanisch, so wie alle guten Menschen?!?!) Aber auf Englisch gab es am Flughafen in Hongkong die Anweisung, das alle Leute, die sich mit der Schweinegrippe infiziert hatten, einen Mundschutz zu tragen haben. Ja, so einen Mundschutz, wie ihn die paranoiden Omis auf hatten. Die wurden alle schön zur ausführlichen Gesundheitsinspektion rausgewunken, während die bösen Ausländer (nun ihrerseits fies grinsend) vorbeizogen und in den nächsten Flieger nach Korea stiegen.
Mal Klartext: Die jüngere Generation ist dem Ausland gegenüber sehr aufgeschlossen, aber dennoch ist auch bei denen die Wahrnehmung immer noch leicht verzerrt, wenn auch in wesentlich weniger. Als ausländerfeindlich würde ich die Koreaner sicher nicht bezeichnen, sondern wirklich eher als xenophob. Aber das kann man wirklich verstehen: Korea ist nicht wie Deutschland ein Land mit neun Anrainerstaaten und einem regen Austausch, sondern ziemlich isoliert und nur mit zwei Nachbarn gesegnet, mit denen es eine lange Feindschaft verbindet. Man kann ihnen diese Denkweise also wirklich nicht negativ ankreiden. Witzig ist es aber immer wieder